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Gesundheit

Infos für Eltern

Kieferorthopädische Prophylaxe

Leitsatz:
Nichts zwischen Kiefer und Zähne stecken, was nicht hingehört, und Mund zu!

Bisher galten die vorbeugenden Maßnahmen für Säuglinge und Kleinkinder auf zahnärztlichem Gebiet fast ausschließlich der Vermeidung von Karies. Dies war und ist auch ein wichtiger Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen in kinderärztlicher Hand. Ein weiterer wichtiger Bereich ist aber auch die systematische Vorsorge zur Vermeidung von Kieferdeformierungen und Zahnstellungsanomalien, die in den letzten Jahren deutlich zugenommen haben. Der Artikel gibt einen kurzen Überblick über die Zusammenhänge und zeigt einfache Möglichkeiten zur Vorbeugung auf.

  1. 40% aller Anomalien der Kiefer- und Zahnstellungen sind erworben, d.h. sie sind durch Fehlverhalten entstanden und können durch Aufklärung und Verhaltensänderung beeinflusst werden.
  2. Die häufigsten schädlichen Gewohnheiten sind - Lutschgewohnheiten und - Mundatmung. Beide Gewohnheiten werden am erfolgreichsten ganz früh beeinflusst.
  3. Mütter, die ihr Kind stillen, wechseln die Brust und damit halten sie ihr Kind einmal links und einmal rechts im Arm. Mütter, die die Flasche füttern, wechseln meist nicht die Seite. Dies kann bereits ein früher Ansatz für Kiefergelenks- und Gesichtsasymmetrien sein. Das Kieferwachstum verläuft möglichst ungestört in flacher Rückenlage.
  4. Der Saugreflex ist dem Baby angeboren, und die Lust am Saugen und ein Lutsch- bedürfnis bleiben oft bis zur Schulzeit erhalten. Das Bedarfsstillen kommt in den ersten Lebensmonaten diesem Bedürfnis mehr entgegen als da Intervallstillen, und erübrigt eher Ersatzbefriedigung mit Daumen oder Finger.
  5. Beginnt der Säugling am Daumen zu lutschen, ist es besser, einen Nuckel anzubieten, denn das Nuckeln wir früher vom Kind aufgegeben als das Daumenlutschen. Der Saugreflex wird durch den Kaureflex abgelöst, wenn die Zähnchen kommen. Wichtig ist es, den Saugreflex nicht künstlich zu verlängern. Ab dem 7. bis 8. Monat, dem Beginn des Zahndurchbruchs, sollte das Fläschchen allmählich dem Trinklernbecher weichen und der Schnuller abgewöhnt werden.
  6. Ob Daumen, Sauger oder Nuckel - jeder Fremdkörper zwischen den Zähnen stört und beeinflusst das myofunktionelle Gleichgewicht. Ob es dabei zu Kieferdeformierungen kommt, hängt von der Veranlagung, der Intensität, also Kraft und Zeiteinwirkung, und vom Lutschgegenstand ab. Auch mit Nuckel entsteht ein offener Biss, vor allem aber eine falsche Zungenlage. Hierdurch entsteht eine falsche Zungenfunktion, die auch im Erwachsenenalter bei Fortbestehen kieferorthopädische Probleme bereiten können. Das falsche Schluckmuster durch die falsche Zungenfunktion macht Probleme bei der Lautbildung und der Sprachentwicklung.
  7. Nuckeln und Saugen sind häufig die sprachlosen Bitten um Liebe, Zärtlichkeit und Zu- wendung. Auch größere Kinder äußern sich leider so und finden keinen sprachlichen Ausdruck. Nicht befriedigte seelische Bedürfnisse werden dann durch materielle Befriedigung kompensiert. Wer schon früh die Erfahrung macht, bei jeder Unlustäußerung etwas in den Mund gestopft zu bekommen, wird sich an diese Form der Tröstung gewöhnen. Es beginnt eine Fehlsteuerung, die sogar zu Suchtverhalten (sich selbst etwas Gutes tun) führen kann (Süßigkeiten, Nikotin, Alkohol, aber auch Essen).
  8. Mundatmung ist eine schlechte Gewohnheit, die weit verbreitet ist und die kindliche Entwicklung erheblich stört. In fast allen Fällen liegt kein organischer Grund vor, sondern es ist nur eine unbewusste Fehlhaltung mit schlaffen Lippen. Nicht jeder Mundatmer muss gleich zum HNO-Arzt. Lässt man ein Kind einen Schluck Wasser so lange wie möglich im Mund halten, kann man leicht prüfen, ob die Nasenatmung überhaupt möglich ist. Eine funktionierende Nasenatmung könnte durch Filtern der Luft, Regulation der Feuchtigkeit und Erwärmung viele Erkältungskrankheiten verhindern. Aber auch Zahnfleischentzündungen durch Austrocknen der Schleimhäute mit vermehrter Plaque und Karies könnten verhindert werden.

Nach: Dr. Henriette Dörschug, Kinder- und Jugendarzt 6, 2004

Verfasser:
Dr. med. Christian Mitt
eMail: mitt@kinderaerzte-solingen.de

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