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Gesundheit

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Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom - ADHS - bei Kindern und Jugendlichen

Eine Modediagnose - oder viel zu wenig beachtet?

Zwischen diesen beiden Extremen schwanken die Meinungen der Ablehnenden und der Befürworter dieser gar nicht so modernen Verhaltensauffälligkeit. Schon im letzten Jahrhundert wurden der Zappelphilipp und der Hans-Guck-in-die-Luft beschrieben.

Tatsache ist, dass das Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) die häufigste Störung im Kindes- und Jugendalter darstellt.

Gekennzeichnet ist sie durch eine Beeinträchtigung der Aufmerksamkeit mit erhöhter Ablenkbarkeit, eine Störung der Impulskontrolle (Impulsivität) und der Aktivität (Hyperaktivität oder erheblicher Unteraktivierung) in einem Maße, das zu einer Fehlanpassung führen kann und dem Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen nicht angemessen ist.

Die Auffälligkeiten sollen schon länger als ein Jahr bestehen, vor dem siebten Lebensjahr begonnen haben und typischerweise in mehreren Situationen und Lebensbereichen ausgeprägt vorhanden sein - also im Kindergarten, in der Schule, in der Familie und eventuell auch in der Untersuchungssituation.

So muß es kein Widerspruch sein, wenn das Kind in der Familie oder in der Praxis unauffällig erscheint und in Situationen, in denen eine verstärkte Aufmerksamkeitsleistung bei erhöhter Ablenkung durch die Umgebung verlangt wird, die geschilderten Auffälligkeiten zeigt. Durch wenig interessierende und anregende Anforderungen wird seine Unteraktivierung nicht aufgehoben, das Kind träumt oder zappelt weiter. Es fehlt ihm die notwendige Eigensteuerung, die uninteressanten, aber doch oft geforderten Aufgaben in seinem Alltag in Familie und Schule auszuführen, wohingegen starke Motivation durch die Umgebung, reizvolle Aufgaben oder ein erhebliches Eigeninteresse das Kind oder den Jugendlichen zu wahren Spitzenleistungen animieren kann.

Diese große Spannbreite, die von der Umgebung oft als ein Nichtwollen oder gar als Verweigerung gedeutet werden, führt schnell dazu, dass das Kind oder der Jugendliche abgestempelt und mit Kommentaren belegt wird, die sein Selbstwertgefühl nicht gerade aufbauen. Kinder und Jugendliche fühlen sich permanent missverstanden und werden dadurch noch weiter in eine Außenseiterposition gedrängt.

Viele Kinder werden aggressiv, einige ziehen sich depressiv zurück. Andere zeigen vermehrt körperliche Symptome wie Kopf- und Bauchschmerzen bis hin zu Erbrechen, nur wenige suchen durch besondere Leistungen im künstlerischen oder sportlichen Bereich oder in irgendeinem Hobby, das sie zur Perfektion bringen, die Anerkennung der Umgebung zu erreichen. Dabei sind die Kinder und Jugendlichen in der Regel äußerst kreativ, haben eine Menge an guten Ideen und sind durchaus belastbar.

Natürlich können alle genannten Symptome einzeln oder auch kombiniert bei anderen Störungen psychischer oder auch körperlicher Art vorhanden sein, so dass nur der mit dem Störungsbild gut vertraute Kinder- und Jugendarzt oder auch Kinder- und Jugendpsychiater die Diagnose stellen sollte.

An Ursachen wurden in der Vergangenheit viele Faktoren aufgezählt. Diese konnten aber meist einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Das Wahrscheinlichste ist eine meist angeborene (und damit oft auch familiäre) Veränderung des Neurotransmitter-Stoffwechsels des Gehirns. In wenigen Fällen wird auch eine Schilddrüsenstörung oder eine allergische Komponente gesehen. Erziehungsfaktoren spielen insofern eine Rolle, als sie die Ausprägung der typischen Symptome verschlechtern oder verbessern können und damit entscheiden, ob der Betroffene sozial auffällig wird.

Die Kinder und Jugendlichen brauchen eindeutige Regeln gerade für die einfachsten und alltäglichen Aufgaben, einen strukturierten Tagesablauf und ganz viel Aufmerksamkeit und Zuwendung durch Eltern und Lehrer, um ihr meist schon angeschlagenes Selbstwertgefühl wieder aufzubauen.

Über weitere Fragen im Zusammenhang mit ADHS wollen wir Sie in loser Folge an dieser Stelle informieren. Bei speziellen Problemen wenden Sie sich an Ihren Kinder- und Jugendarzt, der Ihnen gerne weiterhelfen wird.

Weitere Informationen über ADHS auf unserem Internetangebot::
Standards für die Diagnose und Behandlung des ADHS

ADHS im Internet

Die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft ADHS finden Sie unter:
http://www.agadhs.de/

Der Bundesverband Aufmerksamkeitsstörung/Hyperaktivität informiert unter:
www.osn.de/user/hunter/badd.htm

Verfasser:
Dr. med. Christian Mitt
eMail: mitt@kinderaerzte-solingen.de

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