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Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Berufsverband der Kinder- und
Jugendärzte hat das nordrhein-westfälische Parlament aufgefordert,
die Kontrolle von Impfnachweisen in das geplante Kinderbildungsgesetz
aufzunehmen. Kinder müssten vor dem Besuch eines Kindergartens einen
vollständigen Impfschutz vorweisen können, fordert der Verband.
«Jetzt kann die Politik wirklich zeigen, ob sie das öffentlich und
international verkündete Anliegen tatsächlich ernst meint, oder ob
man hier zu Lande weiterhin den - durch Impfung vermeidbaren - Tod
von Kindern billigend in Kauf nimmt», sagte am Donnerstag Prof.
Heinz-Josef Schmitt, der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission
(STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI).
In Düsseldorf wurde unterdessen bekannt, dass in der Waldorfschule
innerhalb von zwei Wochen 30 ungeimpfte Kinder an Masern erkrankt
sind. Dort sind 60 Prozent der Schüler nach Angaben des
Gesundheitsamtes nicht geimpft, weil sich die Eltern weigerten. Die
Mediziner rechnen dort mit einer weiteren Ausbreitung der
gefährlichen Virusinfektion. «Diese Eltern gefährden ihre Kinder»,
sagte Amtsleiter Heiko Schneitler der dpa. Einen Impfbus, der zur
Schule geschickt werden sollte, hätten die Eltern abgelehnt. In
Düsseldorf sei die Impfquote mit 96 Prozent sonst
überdurchschnittlich hoch.
Insgesamt sind in NRW seit Anfang des Jahres laut Landesinstitut
für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (LÖGD) in Münster weit mehr
als 200 Kinder erkrankt. «Es ist traurig, dass wir nach der
verheerenden Masernepidemie des letzten Jahres mit zwei toten Kindern
und vielen Kindern, die mit Komplikationen in Krankenhäusern
behandelt werden mussten, wieder eine solche Häufung dieser
gefährlichen Erkrankung in unserem Bundesland haben», betonte der
Vorsitzende des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKI)
Nordrhein, Thomas Fischbach, in Solingen.
Schmitt von der Ständigen Impfkommission meinte, es könne nicht
sein, dass sich in Gemeinschaftseinrichtungen des Staates Kinder
holen könnten, die zum Beispiel auf Grund des Alters oder einer
vorliegenden Immunerkrankung nicht geimpft werden können. Daher sei
die vom Verband geforderte Maßnahme, nicht geimpfte Kinder in Schulen
und Kindergärten abzulehnen, der einzige Weg, die Menschenrechte der
Kinder in Deutschland auf Gesundheit und Leben einzulösen. Die STIKO
empfiehlt zwei Masernimpfungen ab dem 11. Lebensmonat im Abstand von
4 Wochen - in Kombination mit der Mumps-, Röteln- und
Windpockenimpfung.
In NRW wird derzeit eine landesweite Impf-Kampagne vorbereitet.
Sollte die Aufklärung im nächsten Jahr keine Erfolge zeigen, will
Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) Vorschläge zu einer
Impfpflicht machen. Die Landesregierung hatte am Mittwoch ihren
Entwurf für ein Kinderbildungsgesetz (Kibiz) ins Parlament
eingebracht. Dort sei nichts zu Impfungen vorgesehen, erklärte der
Ärzteverband. Der Verband hält die Versprechungen für Worthülsen.
Eine groß angelegten Impfpasskontrolle des Kreises Mettmann hat
ergeben, dass bei 20 000 von 57 000 überprüften Schülern kein
Impfstatus festgestellt werden konnte, da die Impfpässe nicht
eingesehen werden konnten. 868 Schülern waren nachweislich noch nie
gegen Masern geimpft worden.
(Internet: www.kinderaerzte-im-netz.de)
dpa wd yynwe wä
141244 Jun 07
Berufsverband der
Kinder- u. Jugendärzte

Städt. Klinikum Solingen
Zentrum für Klinder- und Jugendmedizin