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Zwei Kinder im Alter von zehn und elf Jahren sind kürzlich in Deutschland an einer tödlichen Gehirnentzündung erkrankt. Diese ist die Folge einer Maserninfektion. Angesichts dieser tragischen Beispiele sagte der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Professor Heinz-Josef Schmitt, dem ZDF-Magazin Frontal21 im Interview: "Ich halte es für untragbar und mit der UNO-Kinderrechtskonvention nicht vereinbar, dass bei uns Masern noch existieren." Die Krankheit bricht in Deutschland immer wieder aus, weil nicht alle Eltern ihre Kinder dagegen impfen.
Um Vorbehalte gegen das Impfen auszuräumen, brauche Deutschland deshalb statt unspezifischer Impfempfehlungen dringend ein Impfprogramm zur Aufklärung der Bevölkerung, forderte der Mediziner. Es sei die Aufgabe der Politik, endlich dafür zu sorgen, so Schmitt.
Ärzte schlagen Alarm, weil die Impfbereitschaft in der Bevölkerung abnehme. So ist die Zahl der Masernfälle nach einem Tiefstand im vergangenen Jahr wieder deutlich gestiegen. Das Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) registrierte bis Ende Juni bereits 668 Fälle, nachdem es 2004 mit insgesamt 121 Fällen den bislang tiefsten Stand verzeichnet hatte.
Dabei können die Folgen von Masern tödlich sein. Besonders tragisch ist das Schicksal der kleinen Michelle aus Homburg/Saar. Vor einem Jahr war das Mädchen noch ein völlig gesundes Kind. Dann plötzlich bekommt die Zehnjährige Krampfanfälle. Ihr Zustand verschlechtert sich in kürzester Zeit dramatisch. Michelle musste aus der Schule genommen werden. Anfang dieses Jahres kann sie nicht mehr laufen und nicht mehr sprechen. Spezialisten der Uniklinik Heidelberg entdecken schließlich in Gewebeproben des Gehirns Masernviren. Das Kind leidet an SSPE (Subakute sklerosierende Panenzephalitis).
"Michelle hat sich wahrscheinlich im Säuglingsalter angesteckt, also zu einem Zeitpunkt, wo sie selbst noch nicht geimpft werden konnte", erklärt ihr Arzt Joachim Richter in Frontal21. Masernepidemien in Deutschland Für ihn steht fest: "Sie konnte sich natürlich nur deshalb anstecken, weil jemand in ihrer Umgebung diese Erkrankung entwickelt hat und nicht geimpft war.
"Michelle hat sich, wie auch ein elfjähriger Junge aus Baden-Württemberg, mit so genannten Wildviren infiziert. Das bedeutet, sie haben sich während eines Masernausbruchs in Deutschland angesteckt und nicht etwa - wie Impfkritiker argwöhnen könnten - serst durch den Impfstoff. Die letzten Masernepidemien liegen, nach Angaben des Robert Koch Institutes, nur wenige Jahre zurück, und erst vor wenigen Wochen kam es in Hessen und Bayern zu neuen Ausbrüchen. Impfgegner organisieren Masernparties Zwischen der Infektion und den ersten erkennbaren Symptomen der SSPE-Krankheit liegen in der Regel mehrere Jahre. Die Viren dringen nach der Infektion in das Gehirn ein und zerstören dort Nervenzellen. Eine Therapie dagegen gibt es nicht. Die Krankheit endet unweigerlich tödlich. Trotz dieses Risikos gibt es ein starke Gruppe von Impfgegnern. Sie vertreten die Meinung, dass eine durchgemachte Krankheit das Immunsystem der Kinder stärke. Deshalb organisieren sie vielfach so genannte Masernparties, bei denen man sein Kind absichtlich in Kontakt mit einem infizierten Spielkameraden bringt. Vor allem die Angst vor Folgeschäden durch eine Impfung oder Vorbehalte gegen die Schulmedizin bewegen Eltern zu dieser Entscheidung. Gefahr für Säuglinge Sie gefährden dadurch die Kinder anders denkender Eltern, die ihre Kinder impfen wollen, es aber nicht können, bevor ihr Kind elf Monate alt ist. Wenn es sich aber in dieser Zeit ansteckt, können die Kinder Jahre später dramatisch erkranken - wie zum Beispiel Michelle.Dass Masern keine harmlose Kinderkrankheit sind, zeigt auch die Zahl der Todesfälle weltweit. Eine halbe Million Menschen stirbt jedes Jahr an den Folgen von Masern - zum größten Teil Kinder in Entwicklungsländern, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Für Deutschland hat sie das Ziel ausgegeben, die Masern bis 2010 zu eliminieren. Dazu müssen Impfquoten für die erste und zweite Impfung von über 95 Prozent erreicht werden. Nach Angaben des RKI liegen die Quoten für die zweite Impfung gegen Mumps, Masern und Röteln in den westlichen Bundesländern bei gerade mal 50 Prozent und im Osten bei 60 Prozent.
Die kleine Michelle wird inzwischen künstlich ernährt.Das Mädchen hat keine Chance: Michelle wird an SSPE, an den Folgen der Maserninfektion, sterben.
Webversion des Beitrages von Iris
Wohsmann
Sendung Frontal 21 vom 27.09.05
Quellenangabe:
http://www.zdf.de/ZDFde/download/0,1896,2002605,00.pdf
Das Nachrichtenangebot des ZDF finden Sie unter http://www.zdf.de
Veröffentlichung des Beitrags mit freundlicher Genehmigung durch das ZDF
Berufsverband der
Kinder- u. Jugendärzte

Städt. Klinikum Solingen
Zentrum für Klinder- und Jugendmedizin