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Die Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission STIKO wurde im Juli 2004 um die Windpockenimpfung erweitert. Da viele Eltern in Deutschland die Windpocken noch für harmlos halten, möchten wir erst über diese Krankheit und anschließend über die Impfung unterrichten.
Windpocken werden durch ein Virus (VZV) ausgelöst. Sie sind sehr ansteckend und durch einen schubweise auftretenden, bläschenförmigen Ausschlag an Haut und Schleimhäuten gekennzeichnet.
Bei Kindern verläuft die Erkrankung im Allgemeinen gutartig. Die seltenen Komplikationen sind vielfältig:
Die Komplikationsrate ist bei sonst gesunden Patienten am höchsten im 1. und nach dem 16. Lebensjahr. Bei abwehrgeschwächten Kindern können Windpocken häufig mit schweren, teilweise lebensbedrohlichen Komplikationen wie Hirnentzündungen, Lungen-, Leber – und Bauchspeicheldrüsenentzündungen und anderen Organerkrankungen einhergehen. Oft treten auch verlängerte Erkrankungsformen auf. Schübe von neuem Ausschlag und hohes Fieber halten manchmal 2 Wochen und länger an. Über das Vorkommen von Zweiten Windpocken wird vereinzelt berichtet. Eine Behandlung mit Kortison kann zu einem sehr schweren Windpockenverlauf führen. Die Inhalation von Kortison ist aber wohl risikoreicher.
Etwa 2 % der Kinder von Schwangeren mit Windpocken in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln bekommen schwere Fehlbildungen, wie wir sie ja bei Röteln schon lange kennen. Erkrankt eine Mutter in der Zeit 5 Tagen vor bis 2 Tage nach der Geburt an Windpocken, wird das Neugeborene schwerst z.T. lebensbedrohlich erkranken. Nach durchgemachten Windpocken verbleiben die Erreger im Nervengewebe und können später als Gürtelrose (Herpes Zoster) ausbrechen. Dabei handelt es sich um eine meist einseitige Nervenerkrankung in einem oder in mehreren Hautabschnitten, die sich mit typischen, gruppiert angeordneten Ausschlägen und vor allem bei Erwachsenen mit heftigsten Schmerzen äußert. Komplikationen entstehen vor allem dann wenn die Bläschen am Auge oder am Ohr auftreten.
Über 90% aller Kinder werden bis zum 14. Lebensjahr infiziert. Säuglinge erkranken in den ersten Lebensmonaten selten, weil sie durch mütterliche übertragene Antikörper geschützt sind. Die Gürtelrose tritt vor allem bei Erwachsenen auf und kann sich immer wiederholen.
Die Krankheitsübertragung erfolgt durch Tröpfchen, die beim Atmen oder Husten ausgeschieden werden, aber auch durch Bläscheninhalt als Schmierinfektion. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt 1 bis 2 Tage vor und erlischt etwa in der Regel 5 Tage nach beginn des Ausbruch des Ausschlages. Die Zeit bis zum Ausbruch der Krankheit nach der Ansteckung beträgt 10-21 gewöhnlich 14-16 Tage.
Schüttelmixturen vermindern den Juckreiz und fördern das Abtrocknen des Ausschlages. Bei bedrohlichen Komplikationen können besondere virushemmende Mittel versucht werden. Es sollten keine Salizylate (z.B. Aspirin) gegeben werden weil dadurch eventuell das Risiko einer nachfolgenden sehr schweren Erkrankung (REYE-Syndroms) vergrößert werden kann. Bei einer bakteriellen Zusatzinfektion, sollte rechtzeitig gezielt behandelt werden. Das gilt ganz besonders für Abwehrgeschwächte und Kinder mit Asthma.
Kurzfristig Kontakt mit ansteckenden Patienten meiden. Realistischer
und besser ist die Impfung mit lebenden abgeschwächten ( in besonderen
Situationen mit Antikörpern von fremden Menschen ). Mit der einmaligen
Impfung wird bei gesunden Kindern bis 12 Jahren eine Schutzrate von über
95% erzielt, bei abwehrgeschwächten Kindern sowie gesunden Jugendlichen
und Erwachsenen beträgt sie etwa 80%. Bei diesen Personen ist deshalb
eine zweimalige Impfung im Abstand von 4-8 Wochen zu empfehlen. In Japan
sind bereits 20 Jahre Schutzwirkung beschrieben. Kommt es trotz Impfung
zum Ausbruch von Windpocken, dann verlaufen diese in der Regel leicht.
Impfreaktionen: Als Ausdruck der normalen Auseinandersetzung des Organismus
mit dem Impfstoff kommt es an der Impfstelle (10-20% der Impflinge ), vor
allem bei Erwachsenen nach der 2. Impfung, zu vorübergehender leichter
Rötung., Schmerzhaftigkeit und Schwellung. Etwa 10% der Impflinge
verzeichnen eine leichte bis mäßige Temperaturerhöhung.
Gelegentlich kann es auch im Abstand von 1-4 Wochen zu Krankheitszeichen
im Sinne einer „Impfkrankheit“ kommen: Fieber verbunden mit
einem schwachen fleckig-knotigen oder blässchenförmigen Hautausschlag
(1-3% der Impflinge).
Allergische Reaktionen sind sehr selten. Einzelfälle
von allergischer Sofortreaktion (schwerer Schock) Gürtelrose und Lungenentzündungen
wurden berichtet, ebenso wie die Übertragung von einem Impfling mit „ Impfkrankheit“ an
eine (zumeist abwehrgeschwächte) Kontaktperson.
Über die Krankheiten/ Krankheitserscheinungen, die in ungeklärtem ursächlichen
Zusammenhang mit den Impfungen stehen und über noch unbewiesene Annahmen
und Behauptungen können Sie mit uns sprechen, Sie können diese
Informationen in der Praxis lesen oder sich die bei Anmeldung geben lassen.
Verfasser:
Dr. med. Thomas Fischbach
eMail: fischbach@kinderaerzte-solingen.de
Berufsverband der
Kinder- u. Jugendärzte

Städt. Klinikum Solingen
Zentrum für Klinder- und Jugendmedizin