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Aktuelles aus Medizin und Gesundheitspolitik

Kinder immer unsportlicher:
Bewegungsmangel negativ für mentale Entwicklung

Artikel aus "Die Welt" vom 01.11.04, Interview mit Dr. med. Thomas Fischbach
- Köln -

Kinder und Jugendliche in Deutschland werden nach Expertenansicht immer unbeweglicher und unsportlicher. "Ein Drittel der übergewichtigen Kinder ist motorisch auffällig, und viele leiden infolge von Bewegungsmangel unter Haltungsfehlern", sagte Thomas Fischbach vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln. "Es ist nachgewiesen, daß sich Bewegungsmangel auch negativ auf die mentale Entwicklung des Kindes auswirkt."

Fischbach betonte: "Dicke, unbewegliche Kinder werden auch dicke, unbewegliche Erwachsene." Es würden inzwischen Milliardensummen für Folgeschäden wie Rückenleiden ausgegeben. "Wir müssen das Bewußtsein von Eltern, Erziehern, Lehrern und Vereinen für das Problem Bewegungsmangel schärfen." Es drohten Verhältnisse wie in den USA:
"Auf der einen Seite die asketisch-sportliche Gruppe, die schon fast im Fitneß-Wahn ist, und auf der anderen Seite die Dicken, die nur eingeschränkt am Leben teilnehmen - und das fängt schon im Kindesalter an." Mindestens 20 Prozent aller Kinder und Jugendlichen seien übergewichtig, Tendenz steigend.

Fischbach, der Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte Nordrhein ist, sagte, Kinder hätten einen angeborenen Bewegungsdrang, der häufig schon im frühesten Kleinkindalter gestört werde.

Das liege oft an Überbehütung. Auch Bequemlichkeit der Eltern, mangelnde Zeit und mangelndes Interesse seien Gründe. Zudem habe sich die Umwelt für die Kleinen negativ gewandelt: "Rennen, Spielen, Radfahren draußen - das ist bei zunehmendem Verkehr und all den Verboten doch kaum noch möglich."

dpa

Artikel erschienen am Mo, 1. November 2004

© WELT.de 1995 - 2004

Vollständige Url des Artikels: http://www.welt.de/data/2004/11/01/354128.html

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